Ein Schulbesuch war ihr nur bis zur 8. Klasse möglich, da die häufigen Fliegeralarme Kinder und Lehrer immer wieder zur Flucht in den Bunker zwangen, was zwangsläufig bewirkte, dass nicht so viel Stoff gelernt und vermittelt werden konnte. Ziel der Bombenangriffe waren ein Flugplatz und Textilfabriken, in denen Frau Lütz zeitweise als Spulerin gearbeitet hatte.

Schon mit 14 Jahren erfuhr die noch rüstige Dame am eigenen Leib, was es hieß, bei „Wasser und Brot“ im „Bau“ zu sitzen. Sie hatte es auf der Straße versäumt, eine Freundin mit „Heil Hitler“ zu grüßen, was diese zum Anlass nahm, sie sofort zu denunzieren.

In der Schule, so erinnerte sich Elisabeth Lütz, drehte sich alles nur um Hitler und seine Partei und die Prügelstrafe war ein beliebtes Disziplinierungsmittel. Dennoch wurden auch schon einmal Streiche gespielt oder ungehorsam Zettelchen durch den Klassenraum geworfen. War man krank, kam jemand zu Hause vorbei um zu kontrollieren, ob man wirklich krank war oder sich nur vor der Schule drückte.

Die Familie versteckte während des Krieges jüdische Nachbarn in ihrem Keller und wusch holländischen Kriegsgefangenen, die ein Loch im Zaun des benachbarten Kriegsgefangenenlagers gefunden hatten, heimlich ihre Wäsche. Diese Aktion hätte die Familie beinahe selbst um Kopf und Kragen gebracht, denn auf der Suche nach den Ausbrechern wurde auch ihr Haus kontrolliert. Die Mutter versteckte die Kriegsgefangenen geistesgegenwärtig unter dem Bett ihrer angeblich sehr kranken und fiebrigen Kinder und rettete so die beiden Holländer.

Gefragt nach den Medien ihrer Zeit, erzählte Elisabeth Lütz von einem Volksempfänger, den ihre Mutter manchmal heimlich auf einen holländischen Sender einstellte, um schon früher als andere über herannahenden Fliegerstaffeln und drohende Bombenalarme Bescheid zu wissen.

In der Schule habe sie nur einige wenige Bücher gehabt und kurz vor Kriegsende hätten die Amerikaner sie durch Flugblätter über die Besetzung des Emslandes informiert.

Da in der Nachkriegszeit nur jede zehnte Familie Geld für ein Auto gehabt habe, waren Fahrrad oder Bus das Verkehrsmittel, mit dem man größere Strecken zurücklegen musste. Die knapp bemessene Freizeit verbrachte man gemeinsam mit Gesellschaftsspielen. Mit 18 Jahren durften junge Leute einen Tanzkurs besuchen und den Führerschein konnten sie frühestens mit 21 Jahren machen.

Nach einer Stunde bedankte Karin Müller-Winterhager sich ganz herzlich bei Elisabeth Lütz für ihr Kommen. Frau Lütz zeigte sich ihrerseits sehr erfreut, wie aufmerksam die Schülerinnen und Schüler zugehört und wie interessiert sie nachgefragt hatten.

 

(Text:Quadt-Lubitz/Müller-Winterhager; Foto: MLQ)