Schulausschuss in Hennef

Zweite Gesamtschule kann kommen

Von Ingo Eisner

Hennef. So glatt gehen Entscheidungen von solcher Tragweite eigentlich nicht über die Bühne. Hennef ist zur Ausnahme geworden, als es um die Einrichtung einer zweiten Gesamtschule ging. Innerhalb eines halben Jahres hatte die Verwaltung sich mächtig ins Zeug gelegt, um die Vorbereitungen zur Einrichtung dieser zweiten Gesamtschule in der bisherigen Haupt- und Realschule zu planen.

Am Donnerstagabend sprach sich der Schulausschuss einstimmig für die zweite Gesamtschule aus und gab damit eine Empfehlung an den Rat, der am Montagabend tagt. Sollte der Rat diesem Beschluss folgen, ist der Startschuss für die zweite Gesamtschule gefallen.

"Wenn wir nicht alle an einem Strang gezogen hätten, dann hätten wir das so nie geschafft", sagte Hennefs Beigeordneter Stefan Hanraths, der das Lob des Schulausschusses für seine Arbeit zur Kenntnis nahm, aber ganz klar sagte, dass es sich bei der Vorbereitung um Team-Arbeit innerhalb der Verwaltung gehandelt habe.

Nachdem ein pädagogisches Konzept erstellt und eine Elternbefragung durchgeführt worden ist, soll zum 1. August 2013 die neue und somit zweite Hennefer Gesamtschule sechszügig eingerichtet werden. Damit löst sie die bisherige Gemeinschaftshauptschule an der Wehrstraße und die Kopernikus-Realschule an der Fritz Jacobi-Straße zum 31. Juli 2013 ab.

Die Schule soll als Ganztagsschule eingeführt werden. Laut Beschluss sollen die Jahrgangsstufen fünf bis sieben ab 2013 in der bisherigen Hauptschule, die weiteren Jahrgangsstufen ab der Klasse 8 ab dem Schuljahr 2016/2017 im Gebäude der bisherigen Kopernikus-Realschule unterrichtet werden. Außerdem soll eine integrative Lerngruppe für die neue Gesamtschule bei der Kölner Bezirksregierung beantragt werden.

Natürlich muss die Stadt auch Geld in die Hand nehmen, denn die Einrichtung dieser neuen Gesamtschule geht auch mit ein paar baulichen Veränderungen der bisherigen Haupt- und Realschule einher. Für Sanierungs- und Neubaukosten hat die Verwaltung auf Grundlage einer Grobschätzung für die bisherige Hauptschule 370.000 Euro und etwa drei Millionen Euro für die Realschule veranschlagt, um die Raumanforderungen für die Einrichtung der zweiten Gesamtschule sicherzustellen.

Die Räume sollen zusammenhängend genutzt werden, um Lehrern und Schülern weite Wege zu ersparen. Weitere planerische Detail-Entscheidungen sollen gefällt werden, sobald die neue Gesamtschule, die den Arbeitstitel Hennef-West erhalten hat, über eine Schulleitung verfügt. Die Essensversorgung soll über die Küche der neuen Mensa des Gymnasiums organisiert werden. Geplant ist zudem der Bau von weiteren Gruppen- und Fachräumen, die Einrichtung eines Selbstlernzentrums und Werkräume.

Mit der Einrichtung einer integrativen Lerngruppe will die Verwaltung an der neuen Gesamtschule auch dem Thema Inklusion Rechnung tragen.

Die Elternbefragung Ende August hatte zum Ergebnis, dass ein ausreichend großes Interesse an der Gründung einer weiteren Gesamtschule in Hennef besteht. Laut Hanraths sei insgesamt festzuhalten, dass eine zweite Gesamtschule in Hennef die beste Option zur nachhaltigen Sicherung und Weiterentwicklung der Schullandschaft sei.

Aus den Nachbarkommunen äußerte nur die Augustiner Verwaltung Bedenken an den Hennefer Plänen, weil befürchtet wird, dass die zweite Hennefer Gesamtschule auch für Augustiner Schüler interessant sein könnte und es zu Abwanderungen kommt. Nach einem Gespräch mit Vertretern der Stadt Sankt Augustin gab deren Verwaltung allerdings bekannt, sich mit ihren Bedenken nicht an die Bezirksregierung zu wenden.

Ein wenig parteipolitisches Geplänkel gab es im Schulausschuss doch noch. An Sigrid Gerheims (Unabhängige) Antrag auf Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der neuen Gesamtschule fanden nur die Grünen Gefallen. CDU, SPD und FDP schmetterten diesen Antrag mehrheitlich ab.

Gerheim bestand auch darauf, dass es schließlich die Unabhängigen gewesen seien, die eine zweite Gesamtschule für Hennef beantragt hätten. Parteiübergreifend wurde aber dann doch klar gemacht, dass alle hinter der Entscheidung stehen. "Ich denke, dass diese neue Gesamtschule genau so ein großer Erfolg wird wie die bereits vorhandene Gesamtschule an der Meiersheide", sagte Bernhard Schmitz von der CDU. Auch Norbert Spanier von der SPD glaubt an den Erfolg der neuen Gesamtschule. Einzig bei der Namensfindung wird noch etwas Zeit ins Land gehen.

 

Artikel vom 29.09.2012

Generalanzeiger Bonn: Zweite Gesamtschule kann kommen