Schüler als Agenten im Netz

Interaktives Präventionsprojekt „Offline“ zum Thema Cybermobbing

HENNEF. Kein Geringerer als Til Schweiger forderte die 7b der Gesamtschule Hennef-West zu einer Mission gegen einen international agierenden Verbrecherring auf. Als Commander Norton schickte er ihnen eine Videobotschaft. Und Spezial-Agent „Panda“ hatte er mitgeschickt, um die Schüler von der Außenwelt abzuschirmen.

Rund zwei Stunden dauerte das interaktive Präventionsprojekt „Offline“, an dem sich alle siebten Klassen beteiligen. Auf spielerische Weise müssen die Nachwuchsagenten im Netz Informationen zu einem aktuellen Fall von Cybermobbing zusammen suchen. Die Geschichte ist nahe dran an den Lebensrealitäten der Jugendlichen. Beim Abschlussgespräch in der Aula zeigte sich, dass mehrere Mädchen Erfahrungen damit gemacht haben. Andere waren Opfer von Sexting (aus Sex und Dating), sexualisierter Anmache von Erwachsenen. Celina ist eine, die offen darüber redet.

Sie hatte plötzlich Kommentare zu Bildern, die sie mit ihren Freunden zeigten, von einem Menschen, der sich einen auf sein Geschlechtsteil bezogenen Namen zugelegt hatte. Er schickte ihr Aufnahmen davon. Erst nach einer Anzeige bei der Polizei hörten diese schlimmen Attacken auf. Andere berichteten von Mobbing, dass ein Mädchen aus Hennef in den Selbstmord getrieben habe.

Bei „Offline“ sind es offenherzige Bilder, die zum Cybermobbing und Cybergrooming, also der Anbahnung sexueller Kontakte, führen. Versehentlich versendet Max Aufnahmen seiner Freundin Lisa in einen offenen Chat. Ein Klassenkamerad startet die Mobbingattacke, von außen kommt ein Pädophiler ins Spiel. Mehrere Teams machen sich auf die Suche nach ihm, der Teil eines ganzen Rings ist, suchen Hilfsangebote für Kinder raus. Auf unterschiedlichen Ebenen laufen die Recherchen, Jonas Schweitzer-Faust alias „Panda“ gibt aus einem Regieraum Tipps und Hinweise. Über ein Funkgerät steht er mit den Lehrern im Kontakt.

Der Regisseur und Schauspieler arbeitet für den Verein „Innocence in Danger“ aus Berlin, der diese Präventionsprojekte anbietet. Es het darum, Kinder und Jugendliche ebenso zu sensibilisieren wie Eltern und Lehrer. Offensichtlich klappt das. Alina und Jenny etwa hatten nicht nur Spaß bei dem Spiel, sondern nahmen etwas mit nach Hause: „Wir werden solche Bilder über Snapchat und Instagram nicht mehr schicken. Und wir stellen die Sicherheitseinstellungen auf Privat.“ Auch Maciej fand zwar die Inszenierung unrealistisch, fühlte sich aber gut und interessant über die Gefahren des Internet informiert.

Schweitzer-Faust hatte noch einen Tipp: „Zeigt euren Eltern, wie Instagram und WhatsApp funktionieren. Wenn die wissen, was ihr da macht, gibt es weniger Verbote.“ Denn die Mediennutzung mit Smartphones lag bei fast 100 Prozent. Das Präventionsprojekt, zu dem ein Elterninformationsabend gehört, kostet etwa 2000 Euro. Die Teilnehmer zahlen einen Beitrag, je ein Drittel gaben Kinder- und Jugendstiftung und Förderverein dazu.

 

Von Ralf Rohrmoser-von Glasow

 

 

Artikel vom 13.04.2016

Rhein-Sieg-Anzeiger